Eisdiele oder Gelateria?

Kiosk oder Gelateria?

Hallo Speiseeisfreunde!

So, ich bin wieder spät dran mit meinem Blog, und die Gina hat mir schon fast auf die Finger gehauen, aber jetzt setze ich mich einfach mal hin, denn das Thema ist heute schon sehr wichtig.

Ich versuche euch mal die Unterschiede und die Vor- und Nachteile näher zu bringen, damit jeder von euch da draußen selbst entscheiden kann, welche Richtung er oder sie eingeschlagen möchte. Denn wir reden hier von zwei sehr ähnlichen, aber dennoch unterschiedlichen Konzepten.

Was verstehe ich unter KIOSK?

Ein Kiosk ist ein räumlich eher kleines Ladenlokal, meistens ohne Sitzplätze, mit einem klassischen To-Go Charakter. Diese Läden profitieren von einer hohen Laufkundschaft oder einem besonders gut erreichbaren Standort (Parkplätze). Ein Kiosk ist oft auch eine Zweigstelle einer bereits vorhandenen Gelateria.

Was ist eine GELATERIA?

Die Gelateria oder auch das Eiscafé ist ein räumlich größeres Ladenlokal, in dem die Kunden drinnen wie draußen gemütliche Sitzmöglichkeiten haben, wo sie vor Ort genüsslich die leckeren Eisbecher oder andere Speisen und Getränke genießen können. Die Standorte sind oft mitten in den Fußgängerzonen oder an ruhigen Nebenstraßen.

Ladenlokal

Nun gehen wir ein wenig in die Tiefe. Wie oben erwähnt ist sowohl ein KIOSK als eine GELATERIA in erster Linie ein Ladenlokal, und sie unterscheiden sich hauptsächlich in der Größe. Ein Kiosk mit Lagerraum und einer Eisküche kann auf 40 m² eingerichtet werden. Eine Gelateria ist oft 100/150 m² groß. In der Regel ist es deutlich einfacher, eine leerstehende kleine Räumlichkeit zu finden. Dazu kommt, dass die Größe bei den Fixkosten wie Miete, Heizung etc. noch einen wesentlichen Unterschied ausmacht. Da ist ein Kiosk oft bis zu 70 % günstiger.

Einrichtung

Die Ladeneinrichtung einer GELATERIA ist oft recht aufwendig. In der Regel werden dort mehrere Eisvitrinen, Kuchenvitrinen, aufwendige Kühltechniken usw. verbaut. Der Tresen mit dem Rückbuffet ist entsprechend großzügig ausgelegt, nicht selten haben wie hier eine Länge von 7 oder 8 Metern. Die gesamte Rückwand wird mit Regalen für die Gläser ausgekleidet, es gibt eine Spülmaschine, in der das ganze Geschirr gereinigt wird. Dazu kommen die ganzen Sitzgelegenheiten, innen sowie außen, mit entsprechenden Markisen oder Ähnlichem. Schließlich sollen sich die Kunden hier wohlfühlen.

Ein KIOSK ist meisten deutlich praktischer ausgelegt, eine 24er Eisvitrine wie zum Beispiel eine ISA MILLENNIUM oder FB DEEVA, dazu ein kleiner Tresen, ein einfaches Rückbuffet, wenig Regale und schon ist die Einrichtung fertig. Denn hier geht das Eis in der Waffel, im Pappbecher oder als Paket einfach direkt in die Hände des Kunden, dort gibt es seltener Gläser oder Geschirr.

Auch hier gibt es wesentliche Vorteile beim KIOSK. Wir von Fontana Gelato Equipment sind in der Lage, für ca. 45.000 € einen kompletten Kiosk einzurichten, mit Eismaschine und allem weiteren Equipment, welches benötigt wird. Wenn das Eis von einer anderen Manufaktur geliefert wird, liegen wir hier sogar bei ca. 26.000 € (Preiss Stand August 2021). Eine GELATERIA liegt, mit allem was dazugehört, locker bei einer Investitionssumme von mindesten 100.000 € (Kalkulation mit Neugeräten).

Kiosk oder Gelateria?

Laufende Kosten

Eine gut laufende GELATERIA wird am Wochenende bei gutem Wetter sehr hoch frequentiert. Um dies professionell bewerkstelligen zu können, wird eine entsprechende Personalzahl unabdingbar. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass eine 130 m² große Eisdiele am Wochenende mit ca. 8 Mitarbeiter aufgestellt ist. Zwei Personen arbeiten an der Eisvitrine das To-Go-Geschäft ab, drei Personen, die die Becher für die Sitzplatz-Gäste vorbereiten, zwei für den Service am Tisch und eine Person an der Spülmaschine, die das Geschirr ein- und ausräumt. Das ist eine stattliche Mannschaft. In der Woche ist es in der Regel etwas ruhiger, da kommt so eine Eisdiele auch mit zwei Personen weniger aus.

Ein normal laufender Kiosk dagegen kann in der Woche teilweise durch eine Person allein betrieben werden und eventuell kommt am Wochenende eine zweite Person dazu, höchsten eine dritte.

Ein Kiosk mit einem klassisch To-Go-Geschäft, muss die verkauften Speisen und Getränke nur mit einer MwSt von 7 % belasten. Während in der Gelateria, alle Speisen und Getränke, die an den Tisch gebracht, mit 19 % MwSt belastet werden.

Das bedeutet, dass ein Kiosk bei den laufenden Kosten deutlich schlanker ist. Wir haben mehr als 50-60 % geringe Personalkosten und bei jedem eingenommenen Euro werden Steuern gespart.

Wirtschaftlichkeit

Die oben genannten Punkte Ladenlokal, fixe und laufenden Kosten sowie Investitionen, lassen schon erahnen, dass ein KIOSK wirtschaftlich deutlich besser abschneidet als eine GELATERIA. Ich kann an dieser Stelle keine genauen Zahlen nennen, aber zumindest eine kleine beispielhafte Gegenüberstellung der laufenden Kosten, ohne Materialkosten, skizzieren. Nennen wir das einfach mal eine grobe realistische Bierdeckelrechnung:

Kalkulation: Kiosk oder Gelateria?

Ich betone an dieser Stelle, dass es fiktive Zahlen sind, die jedoch verdeutlichen, dass die Wirtschaftlichkeit eines Kiosks gegenüber einer Gelateria deutlich besser ausfällt. Wenn an dieser Stelle noch hinzugezogen wird, dass im Winter das Eisgeschäft gegen null verläuft, Miete, Versicherung usw. dennoch weiterbezahlt werden müssen und dass das Geschäft stark wetterabhängig ist, dann fällt mein persönliches Urteil definitiv auf den Kiosk.

Die letzten zwei Jahre, bedingt durch Covid-19, haben sogar gezeigt, dass die reinen To-Go-Läden deutlich stabilere Umsätze hatten als die größeren Läden mit Sitzgelegenheit.

Du benötigst für deinen Kiosk oder deine Gelateria noch eine Kaffeemaschine? Dann empfehlen wir dir diesen Artikel.

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Die Wintersaison

Das Eisgeschäft ist und bleibt nun mal saisonal, vom Frühling bis zum Herbst läuft das Geschäft, wenn das Wetter mitspielt. November, Dezember und Januar sind in der Regel so schwache Monate, dass es sich teilweise kaum lohnt, das Geschäft weiter geöffnet zu lassen, dann ist Winterpause angesagt.

Während Personal, Energie und Rohstoffkosten in der Winterpause eingespart werden können, laufen die anderen Verpflichtungen wie Miete, Versicherung und Investitionskosten natürlich weiter. Auch hier gibt es einen immens großen Unterschied zwischen Gelateria und Kiosk.

In einer Gelateria sind die laufenden Kosten recht hoch. Bei der obigen Beispielrechnung liegen die monatlichen Fixkosten bei ca. 6.550 €, was nach 3 Monate Winterpause sich schon auf fast 20.000 € beläuft. Diesen „Fehlbetrag“ muss wieder eingefahren werden. Hierfür benötigt der Betreiber definitiv einen sehr guten Frühling, der bestenfalls über mehrere Wochen anhält.

Beim Kiosk ist die Situation deutlich entspannter, die laufenden monatlichen Kosten anhand der o. g. Rechnung, belaufen sich auf ca. 1.850 €, die in 3 Monate auf 5.550 € anwachsen. Diese Summe ist locker in ein paar guten Frühlingswochenenden wieder eingefahren.

Der Stressfaktor

Kommen wir noch zu einem weiteren wichtigen Aspekt, dem Stressfaktor. Einen Kiosk kann der Betreiber mit zwei, drei zusätzlichen Aushilfen, fast allein führen. Bei schlechtem Wetter kann der Betreiber sich einen Tag frei nehmen, um Energie zu tanken.

Das Führen einer Gelateria ist dagegen deutlich anspruchsvoller. Gutes Personal zu finden gestaltet sich als immer schwieriger. Das bedeutet, dass der Betreiber oft Klimmzüge machen muss, um den Laden am Laufen zu halten.

Mein persönliches Fazit

Wenn man das alles betrachtet, ist es mehr als offensichtlich, dass es deutlich sinnvoller ist, einen kleinen schönen Kiosk zu betreiben, als eine große Gelateria. Klar bringt der größere Laden deutlich mehr Prestige und Glanz und der Betreiber hat deutlich mehr Möglichkeiten, sein hochwertiges Produkt zu präsentieren und zu platzieren. Aber am Ende das Tages, wenn man das Licht ausmacht, muss das, was im Portemonnaie übrig geblieben ist, betrachten und in Relation gesetzt werden.

Ich persönlich bin in einer Eisdiele „groß“ geworden und kenne sehr wohl die gesamten Dynamiken, die entstehen. Ich gebe allen da draußen also einen guten Rat: Bevor ich eine große Gelateria eröffne, würde ich lieber einen oder eventuell auch zwei Kiosks eröffnen. Da lebt man deutlich besser mit.

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